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Neukunden gewinnen, Menschen überzeugen, erfolgreich sein. Der Erfolgs-Blog von Stefan Gössler. Ideen rund um die Erfolgsprinzipien. Von Führung und Selbstführung, Verkauf und Kommunikation, Netzwerken und Teamentwicklung. Wirksprache, die Kunden überzeugt.

Die Wirtschaftspartei "ÖVP" wirtschaftlich betrachtet

Wir haben in Österreich eine Partei, die ist noch merkwürdiger als alle anderen. Aus vier Bünden bestehend, die alle andere Interessen verfolgen, stolpert diese Partei seit über 30 Jahren überraschend erfolgreich von einer Wahl zur anderen. Kann sie so weiter machen? Ich glaube nicht.

Wirtschaftspartei als Unternehmen gedacht

Angenommen Sie haben als Unternehmer ein Produkt, welches wirklich gut ist. Es kann im High-End-Segment richtig punkten und begeistert dort die Kunden. Zugleich bietet es viele Eigenschaften an, die Durchschnittskunden schätzen: trivialste Handhabung, gute Reaktionszeiten, man findet sich damit rasch zurecht.

Doch darin steckt das Problem: obwohl die High-End-Kunden sich gut aufgehoben fühlen, bemäkeln sie die Trivialitäten. Das Produkt ist nicht chiq genug, es ist nicht ausreichend elitär. Der Schöngeist fühlt sich nicht abgeholt und sieht sich schon in einer Runde mit der Bierzelt-Clique.

Die Durchschnittskunden dagegen fühlen sich von dem elitären Kitsch abgestoßen. Mit derartigen Dingen wollen sie sich eigentlich nicht umgeben. Sie fürchten, vom Nachbarn als arrogant und abgehoben wahrgenommen zu werden.

Keiner mag die eierlegende Wollmilchsau bezahlen

Dieser Spannungsherd verursacht natürlich Konflikte. Beschwerden, Reklamationen, ein schwieriger Akquiseprozess ist die Folge. Echte Kundenloyalität wird immer knapper.

So weit lässt es aber kein Unternehmer kommen. Zu nahe liegt die logische Lösung: es kommen zwei Produkte auf den Markt. Man differenziert die High-End-Zielgruppe mit auf sie abgestimmten Marketing und einem Produkt. welches sie begeistert. Auf der anderen Seite gibt es das einfachere, leichter zugängliche Produkt, passend für den durchschnittlichen Kunden. Diese Teilung kann so weit gehen, dass nach außen hin unterschiedliche Firmen auftreten. Beispiele dafür sind zahllos: Mobilkom mit ihrem Diskont-Anbieter bob, Lufthansa mit Germanwings, der VW Konzern zelebriert das überhaupt im Exzess mit Porsche, Audi, VW, Skoda und Seat, Novartis mit Sandoz/Hexal.

Und in der Politik?

Die ÖVP versucht seit Jahrzehnten die eierlegende Wollmilchsau zu sein. Der Wirtschaftsbund soll klassische Unternehmer vereinigen, der Bauernbund die Landwirte, der ÖAAB die Arbeitnehmer, die Industriellenvereinigung braut ihr eigenes Süppchen, hat aber vermutlich mehr Kapital als alle anderen zusammen und die JVP soll den Nachwuchs sichern. Die Idee, dass eine Interessensgemeinschaft dieser Gruppen unter einen Hut zu bringen ist, scheint absurd. Das erinnert eher an einen Wanderzirkus als an eine staatstragende Partei.

Die Konkurrenz hat aufgerüstet

Zugleich attackieren die anderen Parteien von allen Seiten: die Grünen greifen stark ins bürgerliche Lager, die FPÖ gleichzeitig ins rural-nationale und ins wirtschaftsliberale, die SPÖ hat die Kleinstunternehmer für sich entdeckt - der ÖVP scheinen bald nur noch urbane Kirchengänger als Zielgruppe zu bleiben, die scheinen sonst echt keinen zu interessieren.

Denn dieser Wanderzirkus kann so keine klaren Botschaften transportieren. Was die Bauern begeistert, stößt die Jungen oft ab. Themen der Industriellenvereinigung lassen die Arbeitnehmer im ÖAAB aufschreien. Der eigentlich starke Wirtschaftsbund muss sich immer öfter den Vorwurf gefallen lassen, die Kleinstunternehmer nicht mehr zu verstehen.

Die Konsequenz wäre logisch...

Die logische Konsequenz wäre eine Teilung der Partei in einen traditionell-christlichen und einen wirtschaftsliberalen Part. Die hätten klare Botschaften, die fänden auch Obleute, die das meisterhaft Führen könnten. Die würden - je nach Stimmungslage - bei den Wahlen unterschiedlich stark abschneiden, könnten gemeinsam aber weit mehr Bürger vereinigen als das heute der Fall ist. Die FPÖ und die Grünen hätten ein echtes Problem, ihr heute offenes Spielfeld würde über Nacht ein ziemlich hartes Pflaster werden.

Doch das hieße, harte Entscheidungen zu fällen. Grenzen zu schaffen und auch unangenehme Wahrheiten anzugehen. Und genau das schafft diese Partei schon seit vielen Jahren nicht mehr. Aber als urbaner Kirchengänger hat man endlich eine Heimat gefunden.