Die Leistungslüge - Folgenbesprechung
Ok. Die erste Folge ist draußen. Und ehrlich gesagt: Es war ordentlich Nervosität mit dabei. Man redet jahrelang über Themen, schreibt Konzepte, diskutiert Modelle – aber wenn man dann zum ersten Mal öffentlich sagt: „Das ist eine Businesslüge“, dann fragt man sich schon: Wie kommt das an? Wer fühlt sich persönlich betroffen, wer ist vielleicht gar beleidigt? No Bullshit ist die Grundherangehensweise aber No Bullshit heißt nicht jedem, alles vor den Latz zu knallen.
Hat die Folge getroffen?
Oder wirkte sie belehrend?
Oder vielleicht sogar provozierend? Das wär ja kein Fehler.
Die Rückmeldungen waren wirklich spannend. Und darum geht es ja. Mit einer solchen Folge stellt man mal eine Behauptung in den Raum und schaut, was an Resonanz zurück kommt.
Ein Kommentar kam sehr früh, ihr Kernstatement:
„Die Leistungslüge kenne ich sonst nur als politisches Statement zum Thema Leistungsträger.“
Genau das war interessant. Der Begriff ist politisch aufgeladen – aber im unternehmerischen Kontext bekommt er eine ganz andere Tiefe. Mir geht es um Ideen, nicht um Ideologie.
Mehrere Nachrichten drehten sich um die Unterscheidung zwischen Leistung und Wirkung. Der Satz „Leistung ist Input – Wirkung ist Wert“ hat offenbar einen Nerv getroffen. Ein Hörer schrieb sinngemäß:
„Ich muss mich schon fragen, warum ich so viel arbeite und trotzdem das Gefühl habe, es kommt nicht proportional zurück.“
Das ist kein Motivationsproblem. Das ist ein Wirkungsproblem.
Besonders spannend war die Diskussion rund um den Begriff „Wirkungsträger“. Wenn man diesen Begriff ernst nimmt, erklärt er Gehaltsunterschiede oft besser als „Leistungsträger“. Nicht bezahlt wird, wer sich am meisten bemüht. Bezahlt wird, wer für andere spürbar Wert erzeugt.
Und dann kam mehrfach eine Rückmeldung, die fast erleichtert klang:
„Danke für den Reminder, dass mehr Leistung allein nicht der Schlüssel für mehr Erfolg ist.“
Gerade bei UnternehmerInnen, die ohnehin am Anschlag arbeiten, wirkt dieser Gedanke befreiend. Nicht noch mehr leisten. Sondern klarer verstehen.
Aber genau da beginnt der unangenehme Teil.
Seine KundInnen und sein Geschäftsmodell, oder sagen wir Wirkungsmodell, wirklich zu verstehen bedeutet auch, unliebsamen Wahrheiten ins Gesicht zu sehen. Vielleicht interessiert Kunden und Geschäftspartner nicht alles, was man aufgebaut hat. Vielleicht ist nur ein Teil der eigenen Leistung wirklich relevant.
Vielleicht liegt der Engpass nicht im Fleiß, sondern im Fokus.
Und das führt zu einer weiterführenden Frage, die ich mir selbst auch stelle:
Wo investiere ich Leistung, die zwar sauber ist – aber keine echte Wirkung erzeugt?
Und bei wem bin ich tatsächlich relevant?
Mich erinnert das an das Buch von Daniel Skrob “Retention Point”. Er schreibt, wie man Wert schafft und erhält in Abo-Geschäftsmodellen. An einer Stelle berichtet er über einen fleißigen Unternehmer, der mit einem einfachen Abo-Download enorme Umsätze machte. Er fühlte sich daher verpflichtet, sein Angebot auszuweiten. Er ergänzte dies und jenes. Am Ende verlor er Abokunden und rutschte in die Krise. Eine Befragung ergab: die Kunden sahen die Mehrleistung nicht als ergänzenden Nutzen sondern als nicht-genutzten Wert, als verlorenen Wert. Sie meinten, sie würden ja das alles gar nicht nutzen, und beendeten ihr Abonnement. Er reduzierte auf das Nötige, startete neu und kaufte sich eine Yacht. Durchaus empfehlenswertes, kurzweiliges Buch, Du findest es hier.
Die Kernbotschaft der Folge bleibt klar:
Leistung ist dein Input.
Wirkung ist dein Marktwert.
Und vielleicht ist genau das der spannendste Gedanke nach dieser ersten Episode:
Nicht mehr machen. Sondern besser verstehen.
Ich finde, der Start war schon ganz gelungen und ich freue mich schon auf die kommende Episode: die Empfehlungslüge.